Geschichte

Einem Aufruf von Friedrich Lisch und Albrecht Bartsch vom Oktober 1834 folgend konstituierten am 17. Januar 1835 in Schwerin 48 Personen einen Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, einem der ersten seiner Art. Bis zum Ende des Gründungsjahres gehörten dem Verein bereits 249 ordentliche, 44 korrespondierende und sechs Ehrenmitglieder an. Das Protektorat übernahmen (bis 1918) die Großherzöge beider Mecklenburg.

Zum Vereinspräsidenten wurde bis 1914 traditionell der mecklenburg-schwerinsche Staatsminister bzw. Ministerpräsident gewählt, Vizepräsident war häufig ein Regierungsmitglied oder ein anderer hoher Beamter. Schließlich wurde es auch zur Tradition, den Vorstand bzw. Direktor des Geheimen und Hauptarchivs Schwerin zum Ersten Sekretär, der gleichzeitig Herausgeber der Jahrbücher war, sowie einen weiteren Archivmitarbeiter zum zweiten Sekretär zu wählen. Das höchste Gremium des Vereins war allerdings die Generalversammlung, die das Präsidium und den geschäftsführenden Ausschuß wählte.

Zu den Zielen des Vereins gehörte die wissenschaftliche Tätigkeit in Form der Herausgabe der Jahrbücher und anderer Publikationsvorhaben wie den Mecklenburgischen Urkundenbüchern sowie der Sammlungstätigkeit, die sich auf Bücher, Bildwerke, archäologische Funde, Siegel und Münzen erstreckte. Zu den weiteren Vereinsvorhaben zählten Vortragsabende und Sommerausflüge.

Der Erste Weltkrieg und das Ende der Monarchie wirkten sich sowohl auf die Mitgliederzahl als auch auf die Leitungsstruktur des Vereins aus. Die Vereinstätigkeit litt jedoch vor allem unter der Inflation bzw. dem daraus resultierenden Geldmangel. Einen wirklichen Einschnitt bedeutete hingegen die nationalsozialistische Machtergreifung, die 1935 eine stark dem Führerprinzip entsprechende Organisationsstruktur des Vereins und den Ausschluss der jüdischen Vereinsmitglieder nach sich zog. Noch größere Auswirkungen zeigte der Zweite Weltkrieg: 1941 fand die letzte Hauptversammlung statt, im selben Jahr erschien mit dem 104. der vorerst letzte Band des Jahrbuchs, mit Beginn des Geschäftsjahres 1942/43 wurde die Kassierung der Mitgliedsbeiträge eingestellt. Als ein SMAD-Befehl nach Kriegsende die Auflösung sämtlicher Vereine verfügte, war auch das juristische Ende des Geschichtsvereins besiegelt.

In bewußter Anknüpfung an den alten Verein konstituierte sich Ende 1984 ein neuer Geschichtsverein als Arbeitsgemeinschaft unter dem Dach der Stiftung Mecklenburg in Ratzeburg, bei dem sich vier Mitglieder engagierten, die bereits vor 1945 dem Verein angehört hatten. 1985 und fortan alle zwei Jahre erschien ein neuer Band des wissenschaftlichen Jahrbuchs.

Als sich nach der politischen Vereinigung des geteilten Deutschland auch in Mecklenburg Interessierte fanden, die das Werk des Geschichtsvereins fortsetzen wollten, schloss sich die Arbeitsgemeinschaft mit ihnen zusammen. Die erste Mitgliederversammlung unter Beteiligung von 38 Personen fand am 16. November 1991 im Landeshauptarchiv Schwerin statt, das seitdem wieder als Geschäftsstelle des Vereins fungiert.

Literaturhinweise:

Albrecht Bartsch: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, in: Freimütiges Abendblatt, 17. Jg., Nr. 849 vom 10.04.1835.

Antje Koolman: Das „Who is who“ des Geschichtsvereins – die Matrikelbücher, in: Mecklenburgische Jahrbücher 126 (2011), S.

Ernst Münch: Ein Vierteljahrhundert Landesgeschichtsforschung – die Mecklenburgischen Jahrbücher 1985-2010, in: Mecklenburgische Jahrbücher 126 (2011), S.

Hans-Heinz Schütt: Friedrich Lisch – Initiator und Seele des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, in: Mecklenburgische Jahrbücher 125 (2010), S.209-224.

Hans-Heinz Schütt: Zur Geschichte des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, in: Mecklenburgische Jahrbücher 110 (1995), S. 169-192.

Friedrich Stuhr: Hundert Jahre des Mecklenburgischen Geschichts- und Altertumsvereins – Ein Rückblick auf der Festsitzung am 22.06.1935, in: Mecklenburgische Jahrbücher 99 (1935), S. 239-260.