Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde e. V. (gegr. 1835)

Geschichte

 

Mecklenburgischens Urkundenbuch Am 17. Januar 1835 konstituierten in Schwerin 48 Personen einen Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, einem der ersten seiner Art. Bis zum Ende des Gründungsjahres gehörten dem Verein bereits 295 ordentliche, 44 korrespondierende und fünf Ehrenmitglieder an.
 
Der Verein erfreute sich von Anfang an landesherrlichen und regierungsseitigen Wohlwollens. Er stand unter dem Protektorat der Großherzöge beider Mecklenburg (bis 1918), zum Vereinspräsidenten wurde traditionell der mecklenburg-schwerinsche Staatsminister bzw. Ministerpräsident gewählt (bis 1914), Vizepräsident war häufig ein Regierungsmitglied oder ein anderer hoher Beamter. Schließlich wurde es auch zur Tradition, den Vorstand bzw. Direktor des Geheimen und Hauptarchivs Schwerin zum Ersten Sekretär sowie einen weiteren Archivmitarbeiter zum zweiten Sekretär zu wählen. Das höchste Gremium des Vereins war allerdings die Generalversammlung, die das Präsidium und den geschäftsführenden Ausschuß wählte.

Friedrich Lisch In den Händen des Ersten Sekretärs lag die Verwirklichung eines der wichtigsten Vereinsziele, die wissenschaftliche Tätigkeit. In Verantwortung des legendären Friedrich Lisch erschien bereits 1836 der erste Jahrgang des wissenschaftlichen Jahrbuchs, das nach einigen Unterbrechungen nunmehr in 116 Jahrgängen vorliegt. Das nächste große wissenschaftliche Vorhaben, die Publikation eines mecklenburgischen Urkundenbuches, wurde ein Vierteljahrhundert nach der Vereinsgründung aus der Taufe gehoben. Der erste Band lag 1867 vor, weitere 23 Bände folgten bis 1913 und schließlich wurden noch zwei Nachtragsbände produziert. Ebenso wichtige, wenn auch weniger voluminöse Veröffentlichungen betrafen die mecklenburgischen Volksüberlieferungen, Chroniken und kartographische Grundlagenwerke. Unter veränderten politischen Vorzeichen entstand mit den sogenannten Bauernlisten Mitte der dreißiger Jahre ein neuer Publikationsschwerpunkt.

Der Erste Weltkrieg und das Ende der Monarchie wirkten sich sowohl auf die Mitgliederzahl als auch auf die Leitungsstruktur des Vereins aus. Die Vereinstätigkeit litt jedoch vor allem unter der Inflation bzw. dem daraus resultierenden Geldmangel. Einen wirklichen Einschnitt bedeutete hingegen die nationalsozialistische Machtergreifung, die 1935 eine stark dem Führerprinzip entsprechende Organisationsstruktur des Vereins nach sich zog. Noch größere Auswirkungen zeigte jedoch der Zweite Weltkrieg: 1941 fand die letzte Hauptversammlung statt, im selben Jahr erschien mit dem 104. der vorerst letzte Band des Jahrbuchs, mit Beginn des Geschäftsjahres 1942/43 wurde die Kassierung der Mitgliedsbeiträge eingestellt ... Als ein SMAD-Befehl nach Kriegsende die Auflösung sämtlicher Vereine verfügte, war auch das juristische Ende des Geschichtsvereins besiegelt.

In bewußter Anknüpfung an den alten Verein konstituierte sich Ende 1984 ein neuer Geschichtsverein als Arbeitsgemeinschaft unter dem Dach der Stiftung Mecklenburg in Ratzeburg. 1985 und fortan alle zwei Jahre erschien ein neuer Band des wissenschaftlichen Jahrbuchs.
Gut ein Jahr nach der politischen Vereinigung des geteilten Deutschland, am 16. November 1991, erfolgte in Schwerin die Neugründung des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde.

Literaturhinweis: Hans-Heinz Schütt: Zur Geschichte des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, in: Mecklenburgische Jahrbücher 110. Jg. 1995, S. 169-192



© - Letzte Änderung: Monday, 28-Oct-2002 12:00:00 CET

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